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Baum der Ökumene gepflanzt.
500 Jahre Reformation


 Als Zeichen der Ökumene und der Verbundenheit von evangelischer und katholischer Kirche und der politischen Gemeinde wurde zwischen der Basilika und dem Museum ein Ahornbaum gepflanzt.

Bürgermeister Markus Günter, der evangelische Stadtpfarrer Karl Kreß und der katholische Stadtpfarrer Pater Josef Bregula griffen zum Spaten, um den Baum gemeinsam zu pflanzen. Die Pflanzung geht auf eine Initiative von Brigitte Laukenmann von der evangelischen Kirchengemeinde zurück.

"Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen", mit diesem Lutherspruch begrüßte Bürgermeister Günther zur Pflanzung. Den Martin Luther zugeschriebenen Satz hätten sich die evangelische und katholische Kirchengemeinde in Walldürn zu Herzen genommen. "Die evangelische Kirchengemeinde, die katholische Seelsorgeeinheit und die Stadt Walldürn pflanzen zum Gedenken an die Reformation 1517 in ökumenischer Gemeinsamkeit einen Baum zwischen Basilika und Stadt- und Wallfahrtsmuseum neben dem Gedenkstein der Deportation der Walldürner Juden nach Gurs als Zeichen der Versöhnung der beiden Konfessionen und als Hoffnungszeichen auf ein friedliches Zusammenleben aller Bürger Walldürns, gleich welcher Nationalität, Gesinnung, Religion oder Konfession.

Guter Standort

Der Baum sei ein Symbol für die Hoffnung und das Wachsen der Ökumene, ein Zeichen der Verbundenheit. Ein Symbol für Leben und Veränderung, das für das gemeinsame Wirken der katholischen und evangelischen Gemeinden steht. Er könne sich als Standort für den Baum auch keinen geeigneteren Ort vorstellen als hier am Heimatmuseum. 1588 erbaut durch den der Reformation anhängenden Bürger Valentin Stumpf zeigen die Inschriften im Inneren des Hauses die durch Zwiegespräche mit dem damaligen katholischen Pfarrer Magister Hoffius begründete Rückkehr in die katholische Kirche. Sie zeigen auch das schon damals bestehende Hin und Her zwischen katholischer Überzeugung und reformatorischem Gedankengut. Dieses Widerstreiten gipfele im Leben des Valentin Stumpf Junior, der zuerst als Kaplan geweiht, später in Heidelberg calvinistische Theologie studierte und zum Calvinismus übertrat. Mit der Pflanzung stehe das Verbindende zwischen evangelischer und katholischer Kirche und der politischen Gemeinde im Vordergrund. "Miteinander haben wir hier einen Ort geschaffen, der zum Hinhören, Nachdenken und Lernen einlädt. Ein Zeichen für Toleranz, Respekt und Frieden." Er dankte allen, die zum Gelingen der Aktion beigetragen haben. Die Firma Friedrich unterstütze die Aktion durch eine Gedenktafel, die noch angebracht werde.

Pfarrer Karl Kreß ging in seiner Rede auf den geschichtlichen Verlauf der Reformation ein, vom Anschlag der 95 Thesen, über den Kirchenbann und die Religionsstreitigkeiten und Kriege. "Luthers Ziel war beileibe nicht die Kirchenspaltung, sondern die Reform der Kirche auf Grundlage der Heiligen Schrift. Die von uns heute als Reformation bezeichnete Bewegung war eine Glaubensbewegung. Anders als heute, wo oft die Suche nach Lebenssinn im Mittelpunkt steht, ging es den Menschen zur Zeit Luthers darum, dass sie Gott recht sein wollten und wie sie vor Gott recht sein konnten", sagte der evangelische Stadtpfarrer.

Nach einer langen Phase der Gegensätze brachte erst die Aufklärung im 18. Jahrhundert im Ringen um die Menschenrechte langsam auch die Religionsfreiheit. 1910 begann dann bei der großen Weltmissionskonferenz in Edinburg die ökumenische Bewegung, begann das Tauwetter zwischen den beiden Konfessionen, dem weitere Schritte folgten.

"Versöhnte Ökumene"

Es bestünden zwar immer noch theologische Unterschiede zwischen den Konfessionen. "Trotzdem leben wir in versöhnter Ökumene als Schwesterkirchen und sind, ausgelöst durch Papst Franziskus, mit neuem Schwung auf dem Weg zur Einheit der Kirchen. Die katholische Kirche sieht Luther heute als tief glaubenden Menschen, der uns als Sohn seiner Zeit bis heute noch Wege zum Glauben weisen kann."

Was ihn an diesem Reformationsjubiläum freue ist, dass es ökumenisch gefeiert wurde. "Die Liebe Gottes ist in Jesus Christus in unsere Welt gekommen. Erklärtes Ziel beider Konfessionen in Walldürn ist, dass wir in dieser Liebe Jesu miteinander umgehen wollen und miteinander leben wollen. Und dass wir gemeinsam, als versöhnte Christen Kirche sind, die als Diener des Heilands, als Schwestern und Brüder im Herrn zum Wohl und zum Frieden in dieser Stadt beitragen wollen."

Pater Josef Bregula wertete diese Baumpflanzaktion als ein schönes Zeichen der örtlichen Ökumene. Dank sagte er den Walldürner Frauen und hier vor allem Brigitte Laukenmann, auf deren Idee und Vorschlag hin diese Initiative zustande kam. Ein Baum sei stets ein prägnantes Zeichen von Beständigkeit und Wachstum, und langsam, aber fest verwurzelt, werde aus einem kleinen Bäumchen stets ein großer mächtiger Baum. "Zuerst biegt sich sein Stamm noch im Wind, aber irgendwann ist er so fest verwurzelt und der Stamm so stark, dass er sich dem Wind und anderen Widrigkeiten entgegenstellen kann."

"Feste Heimat"

Damit der neu gepflanzte Baum am Kirchenstieg diesen Widrigkeiten standhalten könne, brauche er stetig Wasser, Nährstoffe und Pflege. Die Symbolik dieses Baumes könne man in vielen Bereichen auch auf die Zusammenarbeit beider Kirchen in Walldürn übertragen. Der Stamm habe schon eine gute Stärke, in dem man ihn von beiden Seiten her gut gedüngt und gewässert habe und durch viele gemeinsame Gespräche und gegenseitige Unterstützung auch weiterhin gut pflegen werde. Mit dieser gemeinsame Baumpflanzaktion wolle man dokumentieren, dass in Walldürn beide christlichen Konfessionen ihre feste Heimat hätten und fest verwurzelt seien. So hoffe er, dass dieser Spitzahornbaum gut heranwachse und zu einem mächtigen und fest verwurzelten Baum wachse.

Text der Gedenktafel

Der Text der Gedenktafel ist mit dem Leitwort der Wallfahrt 2017 überschrieben: Alle sollen eins sein (Joh,. 17,21).

Wir Christen in Walldürn leben und handeln in versöhnter Ökumene als Teil der Kirche Jesu Christi. Wir bitten gegenseitig um Vergebung für alle Schuld, die unsere Konfessionen und die Kirchen vor Ort durch die Kirchenspaltung gegenseitig auf sich geladen haben und wollen und als heilige christliche Kirche versöhnt in Frieden und Einheit zum Herrn der Kirche bekennen und in seinem Auftrag zum Wohl und zur Versöhnung und zum Frieden aller Menschen beitragen.

Unter dem Text steht: Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens; 31. 10. 2017 - 31. 10. 2107. Gedenken zum 500sten Jahrestag der Reformation. mar

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