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Närrische Monarchie ausgerufen.
Regierungswechsel vollzogen


Die Narren haben am Samstag die Macht über „Groß-Dürn“ übernommen. Die Gegenwehr des „Borchemeeschders“ und des ihm treu ergebenen Stadtrats fiel eher symbolisch aus.

Mit dem Prinzeneinzug schickte sich die Fastnachtsgesellschaft „Fideler Aff“ am Samstagnachmittag mit der Unterstützung der närrischen Heerscharen befreundeter Fastnachtsgesellschaften aus Altheim, Binau, Glashofen und Höpfingen an, für die nächsten 46 Tage die „närrische Monarchie“ in der „Affenstadt Groß-Dürn“ auszurufen und während dieser Zeit den Gemeinderat mit „Borchemeeschder“ Markus Günther an der Spitze in den „Noturlaub“ zu schicken.

Erst am Aschermittwoch soll die Stadtregierung wieder das politische Erbe und die dann völlig geplünderte Stadtkasse übernehmen. Bis dahin übernehmen Ihre Lieblichkeit, Prinzessin Claudia II., Hüterin der Zwergenschar aus dem edlen Geschlecht der Streuns, und seine Tollität, Prinz Rüdiger I., Herrscher über alle Gleise und Bahnübergänge (Claudia Dunkel und Rüdiger Meder) die Herrschaft über das Affenvolk.

Mit Getöse durch die Innenstadt

Nach der Vorstellung des Prinzenpaars und des Kinder-Prinzenpaars, Prinzessin Elina I. und seine Tollität Prinz Mikel Alexander I. (Elina und Mikel Alexander Dietz) auf dem Bahnhofsvorplatz machte sich der närrische Tross mit lautem Getöse auf den Weg durch die Straßen der Innenstadt zum Schlossplatz, wo Bürgermeister Markus Günther „der Schwarze“ mit dem ihm treu ergebenen Stadtparlament residiert.

Damit sich die „Fidelen Affen“ in Unwissenheit über die Verteidigungsbereitschaft der „edlen Dürmer Ratsherren“ bei der bevorstehenden Machtübernahme nicht allein auf ihre eigene Schlagkraft verlassen mussten, wurden sie von zahlreichen „Schergen und Söldnern“ befreundeter Fastnachtsgesellschaften unterstützt.

Frühzeitig informiert durch stadteigene „Spitzel“ verfielen die Zuschauer schon beim Anblick dieses großen Trosses in fröhliche Narretei. Für den richtigen Marschschritt sorgten die Musikkapelle der „Höpfemer Schnapsbrenner“ sowie die Odenwälder Trachtenkapelle Walldürn.

Kurzes Wortgeplänkel

Angesichts dieser närrischen Übermacht verschlug es den „Großkopfeten“ auf den Zinnen der Schlossmauer regelrecht die Sprache. Einsichtig verzichteten sie auf größere Gegenwehr. Nach einem kurzen Wortgeplänkel zwischen Stadt-Büttel Oskar Fischer, FG-Präsident Falko Günter und Bürgermeister Markus Günther setzten die Narren mit Leiter und Rammbock zum Sturm auf das verbarrikadierte Eingangstor an. Unterstützt wurden sie von dem in seiner Grabesruhe gestörten und deshalb als Geist erschienenen Schlossherrn Graf Konrad von Dürn (Jürgen Mellinger), der sich empört über die geschichtliche Entwicklung des Schlosses zeigte und dies auch deutlich bekundete: „Und wenn ich so meine Burg hier betracht’, was habt ihr in all den Jahren daraus gemacht. Erst habt ihr sie einstmals so ganz ungeniert, zur Raubritterburg mal umfunktioniert. Finanzamt man neudeutsch so heut’ dazu sagt, mit Steuern mein Volk ausgeraubt und geplagt. Auch heut’ ist sie noch – ich bin ganz entsetzt – von Tintenklecksern und Aktenverhunzern besetzt. Schulz und Rat von Dürn – ’s hat man mir hinterbracht – üben von hier aus humorlos die Macht, traktieren das Volk mit Abgaben, Gebühren. Doch euch zu bestrafen, das liegt mir auch fern. Als Konrad der Gute vom Dürmer Geschlecht, will deshalb ich Gnade geh’n lassen vor Recht. Doch müsst ihr – wie’s üblich und guter Ton – zunächst vollzieh’n die närrische Kapitulation.“

Schließlich überreichten Markus Günther und dessen Stellvertreter dem Prinzenpaar Zepter, Stadtschlüssel und Stadtkasse, ehe FG-Präsident Falko Günter die Übernahme der närrischen Macht als vollzogen erklärte und Graf Konrad von Dürn noch einmal das Wort ergirff: „Aff, rappl di uff! Auch ich jetzt mal schrei, ein Wort noch zum Schluss, denn was sein muss, muss sei. Schulz Markus, ihr Räte, ihr habt ohne Klagen, den Narren die Herrschaft in Dürn übertragen. Dafür gebührt euch Respekt und viel Ehre, kniet nieder, zum Dank ich nämlich gewähre, ’nen Ehrentitel, den jetzt ihr sollt führ’n, erhebt euch als Ober-Hof-Narren von Dürn. Die Faschenaacht fördert, das ist mei Bitt’, die Büros schließt ab, macht alles fest mit. Ich selbst verzieh’ mich und leg’ mich wieder zur Ruh’, als Geist seh’ dem närrischen Treiben ich zu, wie ihr die Faschenaacht tut leben und führ’n.“

Ausgelassenes Treiben

Nachdem das Prinzenpaar seinen närrischen Untertanen in gekonntem Versreim die Spiel- und Verhaltensregeln für die närrischen Tage verkünde und die Bevölkerung zu ausgelassenem Fastnachtstreiben nach alter Dürmer Narrensitte aufgefordert hatte, sang und schunkelte man am Ende noch einmal gemeinsam zu den von der Odenwälder Trachtenkapelle Walldürn gespielten Klängen des „Dürmer Affenmarsches“, ehe sich das Geschehen in die „Dürmer Wertschafte“ verlagerte. ds
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